Gitarristen die Geschichte mach(t)en : Edward van Halen

Als zu Beginn der Achtziger Jahre ein Gitarrist in der Szene auftauchte, der es des öfteren vorzog, mit seiner rechten Schlaghand die Saiten auf das Griffbrett zu hämmern - anstatt hierfür konventionell ein Plektrum zu benutzen - staunte die Fachwelt nicht schlecht. Es war die Geburtsstunde des „Tapping“, und der Mann an der Gitarre war kein geringerer als der gebürtige Niederländer mit kalifornischem Wohnsitz: Edward van Halen.

Nach dem Übersiedeln der Familie van Halen vom niederländischen Nimwegen ins kalifornische Pasadena im Jahre 1962 kamen Eddie und sein großer Bruder Alex zum ersten Mal mit Musik in Kontakt – und zwar in Form eines Pianos und mit den dazugehörigen Klavierstunden. Eddie wechselte dann schnell zur Gitarre und Alex fand im Schlagzeugspielen seine Passion – die er bis heute als Drummer bei Van Halen fortführt.

Dass die Band diesen Namen erhielt, lag übrigens zum größten Teil am charismatischen Sänger und Gründungsmitglied David Lee Roth, welcher später nach seinem Ausscheiden aus der Band noch eine erfolgreiche Solo-Karriere starten konnte.

Unter dem Namen der beiden niederländischen Brüder erspielte sich die Band in den frühen Siebzigern in der Clubszene in Los Angeles einen hohen Bekanntheitsgrad und erhielt sogar eine Finanzierung über ein Demoband von KISS-Mastermind Gene Simmons, der Van Halen 1976 bei einem Konzert live sah.
Von nun an ging es rasant bergauf und direkt in die größten Hallen und Stadien der Welt.

Als bedeutendste Alben – was sowohl die Verkaufszahlen als auch die musikalischen Innovationen betrifft – gelten das 1978 erschienene Album mit dem schlichten Titel „Van Halen“ und das vorerst letzte Album mit Frontman David Lee Roth und dem Titel „1984“, welches ab Dezember 1983 pressfrisch in den Regalen stand. Vorerst aus dem Grunde, da David Lee Roth erst vor kurzem seinen Wiedereinstieg nach 22 Jahren in die Band bekannt gab. Die Zeit heilt ja bekanntlich Wunden.

Die Spieltechnik und der Sound Eddie van Halens prägte entscheidend den Gitarrenstil der 80´er und 90´er Jahre. Neben der Sweepingtechnik ist sicherlich die Tappingtechnik das markante an seinem Stil. Das auf dem 1978´er Debüt-Album erschienene Stück „Eruption“ demonstrierte damals eindrucksvoll, was mit einer elektrischen Gitarre möglich ist und prägte Generationen von Gitarristen – und das bis heute.

Eddies Stuff

Guitars

Van Halens wohl populärste Gitarre ist der rote Stratocaster-Eigenbau, die sogenannte „Franken-Strat“, die er sich selbst aus einem Body für 50 Dollar und einem dazu passenden Hals für 80 Dollar zusammenschraubte. Am Steg montierte Eddie einen P.A.F – Humbucker von einer 1961´er Gibson ES-335, der Singlecoil-Pickup am Hals diente nur zur Dekoration - er war vollkommen funktionslos. Das angebrachte Vibratosystem stammte von einer 61´er Fender Strat, Eddie spendierte dem Instrument aber während der zweiten großen van Halen-Welttournee ein stimmstabileres Floyd Rose Vibratosystem. 1983 wurde van Halen Endorser der Gitarren von Kramer, die eine Kopie der „Franken-Strat“ auf Basis des Serienmodells „Baretta“ fertigten.

Anfang der Neunziger Jahre war es dann die MusicMan-Company, die Eddie endlich ein Signature-Modell nach seinen Vorstellungen und Wünschen baute. Das Ergebnis kann sich sehen und hören lassen, denn die Gitarre spielt absolut in der Oberklasse. Beste Hölzer mit einer atemberaubend schön geflammten Ahorndecke, ein Maple- Neck nach Eddies Wünschen designed, ausgewogene DiMarzio-Humbucker, ein Floyd Rose-licensed Vibratosystem und last but not least nur 1 Poti für Volume – auf dem aber ein Tone-Poti Käppchen steckt – the way Eddie likes it!

Mitte der Neunziger war es aber dann mit der Ehe MusicMan&Van Halen schon wieder vorbei und Eddie fand in der Firma Peavey einen adäquaten Partner, um seinen Vorstellungen von einem perfekten Instrument noch näher zu kommen. 1995 präsentierte Peavey mit der „EVH Wolfgang“ den Nachfolger der MusicMan-Van Halen, welche von der Bauform und den verwendeten Materialien sehr ähnlich erscheint. Auffallend hier ist der im Vibratoblock integrierte D-Tuner, der es erlaubt, blitzschnell die tiefe E-Saite um einen Ganzton tiefer klingen zu lassen. Die Peavey EVH Wolfgang hatte ihren Namen übrigens Eddie‘s Sohn zu verdanken, der heute als Basser mit seinem Papa im Studio und on Stage unterwegs ist.

Überraschend für die Fachwelt war dann auch kürzlich die Mitteilung, dass Eddie van Halen von nun an mit Fender zusammenarbeitet und dass sogar schon ein Modell existiert – eine Reissue seiner selbstgebauten „Franken-Strat“. Das Instrument erscheint zuerst in einer limitierten Auflage von 300 Stück - und das zu einem Preis von rund 30.000.- US-Dollar(!).

Nein, dies ist kein Druckfehler, sondern viel mehr Teil der Bedingung dafür, dass van Halen die Zusammenarbeit mit Peavey beendet und zur Fender-Company wechselt.

Amps

Die Verstärkung für sein filigranes Gitarrenspiel übernahmen lange Zeit Marshall-Amps, bei denen Eddie die Stromspannung senkte. Dass Vakuum-Röhren in Instrumentalverstärkern bei Änderung der Spannung ihren Sound verändern, war damals schon keine Weisheit mehr und so schraubte Eddie an den Amps, bis sie ihm den Sound und die Ansprache lieferten die er liebte. Dass dies aber nicht unbedingt die Lebenserwartung eines Verstärkers erhöht ist auch klar, und so wechselte van Halen, als die Zuverlässigkeit seiner „frisierten“ Marshalls nachließ, in den frühen Neunzigern zu Soldano-Amps, genauer gesagt zum Modell SLO 100, welches damals auch viele angesagte Gitarristen wie Steve Vai oder Joe Satriani zu ihrem Amp machten.

Die Peavey-Company war es aber dann doch wieder die Eddie van Halen einen Amp auf den Leib schneiderte - das Peavey 5150 Gitarrenamp-Top mit 2 Kanälen und 120 Watt Vollröhrenpower. Diesen Amp nutzte Eddie bis zum Ende der Zusammenarbeit mit Peavey, welche nun den Verstärker aus rechtlichen Gründen unter dem Namen „6505“ vermarkten.

Man darf also gespannt sein, wie weit sich die Zusammenarbeit Eddie van Halens mit Fender auch auf die eventuelle Entwicklung eines Gitarrenamps auswirkt - wir bleiben auf jeden Fall dran!

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