Workshop: Refined Riffs

Herzlich willkommen zu Refined Riffs! Und dem ambitionierten (aber der englischen Sprache eventuell nicht so vertrautem) Leser unter die Arme zu greifen :refined bedeutet in diesem Zusammenhang in etwa soviel wie ausgeklügelt, kultiviert, gewählt. Was im Klartext heißt, dass wir versuchen werden, innerhalb dieses Workshops alle grundlegend wichtigen Themen die für das Kreieren von Riffs von Bedeutung sind anzusprechen. Mit dem Ziel, u.a. Alternativen jenseits des üblichen Powerchord-Geschrammels zu finden.

Aber nicht nur das: Auch Gitarrenriffs unterschiedichster Stilistiken wie Rock, Metal oder Blues werden in dieser neuen Workshopreihe ihren Platz finden. Natürlich werden euch auch in dieser Workshopreihe jede Menge Klangbeispiele helfen, das neu gewonnene Wissen zu vertiefen und die ein oder andere Inspiration zum eigenen Spiel zu geben!

Die Grundlagen

Basis einer soliden Riffarbeit sei es nun Rockabilly, Blues, Funk oder Speed-Metal, ist zweifelsohne die Beherrschung von Rhythmik. Selbst in Songteilen wie z.B. einer Strophe, in denen der Gitarrist in der Regel zurückhaltender spielt, können kleine rhythmische Variationen eines sonst recht statisch gespielten Riffs die Dynamik der Gitarrenlinie interessant erweitern.

Eine gute Möglichkeit, die Rhythmik zu trainieren, findet ihr in Klangbeispiel eins. Es handelt sich hierbei um die sogenannte Rhythmus-Pyramide. Über einen 4/4 Takt spielen wir nacheinander Viertel, Achtel, Achteltriolen und Sechzehntel, und das Ganze dann wieder zurück. Dabei spielt es keine Rolle, was für einen Ton man auf dem Griffbrett benutzt, nur der (exakte) Treffer zählt. Als Geschwindigkeit dieser Übung dienen 140 beats per minute.

Abbildung 1 : Die Rhythmuspyramide

KLANGBEISPIEL 1

Speziell bei höheren Tempi ist es gar nicht so einfach, die einzelnen Rhythmen sauber zu picken um einen tighten Übergang zu erreichen.

Da die Spielweise von Viertelnoten in einem angemessenen Tempo den geneigten Leser sicherlich nicht überfordert, hören wir in Klangbeispiel zwei eine einfache Figur mit Achtelnoten. Die Sequenz besteht aus zwei Vierteltakten, also 16 spielbaren Achtelnoten. Ich spiele abwechselnd eine Linie straight Achtelnoten und nach einer kurzen Pause die gleiche Linie, allerdings mit Akzentuierungen auf dem vierten Achtel des ersten Taktes und dem dritten des zweiten Taktes. Schnell beginnt die Rhythmik an Dynamik zu gewinnen.

Abbildung 2 : Akzentuierte Achtel-Linie

KLANGBEISPIEL 2

Wenn wir nun die Rhythmik von Achtel- auf Sechzehtnelnoten ändern sind die Möglichkeiten natürlich noch vielfältiger. Die uns nun zur Verfügung stehenden zweiunddreißig Sechzehntelnoten bieten ein breites Feld für rhythmische Experimente. Im Klangbeispiel drei hört ihr nun eine Sechzehntel-Linie, in der ich die akzentuierten Note oktaviere. In diesem Fall ist es die offene E-Saite und das davon oktavierte E auf dem siebten Bund der A-Saite. Das Tempo dieses Riffs ist 100 bpm.

Abbildung 3 : Akzentuierte Sechzehntel-Linie, Oktaviert

KLANGBEISPIEL 3

Um den Riff nun weitgehend frei von Terzen (die ja das Tongeschlecht Dur oder Moll markieren) fürs Erste frei zu halten, spiele ich nun die akzentuierte Sechzehntel-Linie, diesmal jedoch mit der Septime (D) auf dem fünften Bund der A-Saite (Klangbeispiel vier).

Somit wäre dieses erste, einfache Riff ideal geeignet für Rhythmusarbeit über Moll7/Dom.-Sept-Akkorde und deren Verwandten. Da in einem Dur- oder maj7-Akkord die große Septime bekanntermaßen den Ton angibt, hört ihr in Klangbeispiel fünf das gleiche Riff mit der korrigierten Septime.

Abbildung 4 : Akzentuierte Sechzehntel-Linie, kl. Septime

KLANGBEISPIEL 4

Abbildung 5 : Akzentuierte Sechzehntel- Linie, große Septime

KLANGBEISPIEL 5

Da Triolen einen Riff ungemein auflockern können - und wir damit alle Bestandteile der Rhythmus-Pyramide besprochen haben - hören wir im nächsten Klangbeispiel die gleiche Tonabfolge (Oktave/Septime), diesmal jedoch in Achteltriolen Spielweise. Geschwindigkeit hier : 120 bpm.

Abbildung 6 : Akzentuierte Achteltriolen-Linie, kleine Septime

KLANGBEISPIEL 6

Abschließend noch ein paar Worte zur Technik, im Speziellen für die rechte Hand. Ihre Lage sollte entspannt auf dem Steg/Vibrato-System aufliegen und den Saiten eine gewisse Grunddämpfung geben. Dass bei all den Übungen und Riffs dieser Workshopreihe eine Wechselschlag-Technik (Alternate-Picking) nötig ist, sollte dem interessierten Leser bewusst sein. Denn nur so ist es auch möglich, Riffs auch in höheren Geschwindigkeiten dynamisch und ausdrucksstark zu spielen. Dieses ändert sich auch nicht beim Jammen in unterschiedlichsten Stilistiken, bei deren Technik die Hand vom Steg abgenommen und frei über dem Instrument schlägt, wie es z.B. bei Funk oder Reggae der Fall ist. Auch hier zählt der Wechselschlag - denn niemand käme auf die Idee, bei Sechzehntelnoten und einer Geschwindigkeit jenseits der 130 bpm (was speziell bei Funk durchaus üblich sein kann) nur Abschläge zu spielen (!).

Dass ein Metronom bei all den Übungen und Beispielen gute Dienste leisten kann, ist auch klar. Genauso aber auch, dass diese kleinen Kistchen auf Dauer ganz schön nerven können. Dennoch sollte einer dieser Taktgeber zum Begleiter dieser Workshopreihe werden!

Ich wünsche nun viel Spass beim Jammen und beim Anwenden der neu erfahrenen Dinge und hoffe, dass ihr beim nächsten Teil wieder dabei seid!

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