Gitarristen die Geschichte mach(t)en : Yngwie J. Malmsteen

Man kann über „Ihn“ sagen und denken was man will, jedoch gibt es nur wenige Gitarristen die die Rockwelt nachhaltig mit ihrem Stil so beeinflussten wie der schwedische Wahl-Amerikaner und Ausnahmegitarrist Yngwie Malmsteen. Spielte er in den frühen Achtziger Jahren noch bei „Steeler“ bzw. „Alcatrazz“ so bescherte ihm spätestens sein Solo-Debutalbum „Rising Force“ (1984) internationale Anerkennung und Achtung. Die Fachwelt war verblüfft : nie zuvor hatte jemand auf der elektrischen Gitarre solche klassisch-barocke und bis in die technische Perfektion getriebenen Licks und Riffs gespielt- und dazu noch in dieser atemberaubenden Geschwindigkeit. „A new Star was born“, und der weltweite Siegezug des schwedischen Klempnersohns und Paganini-Fans begann.

Malmsteen wurde am 30. Juni 1963 als Lars Johan Yngve Lannerbäck in Stockholm geboren.Yngwie´s erste Berührungen mit der Gitarre fanden zur Zeit des Todes von Jimmy Hendrix im Jahre 1970 statt. Yngwie war zu dieser Zeit sieben Jahre alt und damals schon besessen von der exzessiven Show Hendrix, den er wie auch den Geiger Nicolo Paganini als einer seiner größten Einflüsse bezeichnet. Ebenso hatten laut Yngwie´s Aussagen Genesis, Uli Jon Roth und vor allem Deep Purple mit Richie Blackmore großen Einfluß auf seinen musikalischen Werdegang.

1982 siedelte Malmsteen in die USA über, da kein geringerer als Mike Varney von Shrapnel-Records (u.a. der Produzent von Jason Becker, RacerX,Marty Friedman,Tony MacAlpine und allerlei weiterer außergewöhnlicher Saitenartisten) durch ein Demo auf den jungen schwedischen Gitarristen aufmerksam wurde. Malmsteen spielte zunächst in den Bands „Steeler“, mit der er das gleichnamige Debutalbum im Jahre 1983 veröffentlichte, sowie „Alcatrazz“ mit denen er ebenfalls das Debutalbum „No Parole for Rock´n Roll“ (1984) sowie kurze Zeit später die Liveaufnahme „Live Sentence“ in die (damals noch) Plattenläden schickte. Kleine Notiz am Rande: nach dem Ausstieg Yngwie´s bei Alcatrazz wurde sein Posten ebenfalls mit einem klangvollen Namen besetzt. Es war die Zeit für Steve Vai.

Für Malmsteen aber begann nun eine ausgesprochen erfolgreiche Solokarriere. So wurde sein Debutalbum „Rising Force“ aus dem Jahre 1984 prompt für einen Grammy in der Kategorie „Best Rock Instrumental“ nominiert und erreichte erstaunliche Platzierungen in den Billboard-Alben-Charts.

Bis heute verfolgt der schnelle Schwede kompromisslos seinen Stil und ließ sich auch nach einer Durststrecke in den 90´ern nie von diesem abbringen. Zu Beginn der neunziger beherrschte nämlich der Grunge zumindest in der US- Gitarrenszene den Markt und ließ nur wenig Platz für Malmsteens virtuose Kompositionen.Er verlagerte somit seine Präsenz mehr auf den japanischen und vor allem russischen Markt. Allein in Russland verkaufte Malmsteen bisher über 27 Millionen Tonträger. Hier spielte er auch seine bisher größten Livekonzerte, wie z.B. das Live-Event in Leningrad aus welchem dann der Live-Mitschnitt „Trial by fire“ im Jahr 1989 erschien.

Einen weiteren Tiefpunkt markierte ein schwerer Autounfall infolge dessen Malmsteen in ein 3-wöchiges Koma fiel aus dem er sich jedoch glücklicherweise rasch wieder erholte und Spätfolgen bis heute Gott sei Dank ausblieben.

 

Yngwie´s Stil besticht primär durch eine sehr präzise und Pfeilschnelle Legato- und sweeping-Technik mit der er zu Beginn der achtziger Jahre zweifellos der Szene weit vorraus eilte. Zu seinen bevorzugten Scales zählen natürlich die auch in der klassischen Musik verwendeten Arten von harmonisch Moll, hier besonders die erste und fünfte Stufe der entsprechenden Grundtonart. Perfekt beherrscht er auch die verminderten Scales und Arpeggien, und selbst die Bluespentatonik interpretiert er auf eine souveräne und coole Art und Weise wie es seinem „Meister“ Mr. Hendrix sicherlich gefallen würde.

Alles in allem betrachtet ist es aber die enorme Geschwindigkeit seines Spiels, mit der der schnelle Schwede seit Dekaden die Fachwelt verblüfft und Jahr für Jahr Neueinsteiger zum Gitarrespielen inspiriert- und alte Hasen immer wieder aufs neue fasziniert.

Das Equipment des Mr. Malmsteen

Gitarren

Für Yngwie gab und gibt es nur ein Gitarrenmodell das seinen anspruchsvollen Wünschen gerecht wird : die Fender Stratocaster. Malmsteen besitzt Unmengen von diesen älteren und alten (aus den Baujahren der späten 60´er/frühen 70´er Jahre) Strats wobei bei allen Instrumenten ausnahmslos die Bünde der Griffbretter „scalloped“, also „ausgehöhlt“ wurden. Dies soll den Kontakt der Fingerkuppe mit dem Holz verhindern und Reibungen vermeiden- was im Endeffekt für ein flüssigeres spielen besonders bei bendings (Saitenziehen) und Vibratoeffekten sorgen soll. Wer einmal eine solche Gitarre gespielt hat wird sicher bemerkt haben das es gar nicht so einfach ist bei solch ausgefrästen Bünden den Ton sauber zu halten, da man dazu neigt die Saite durch zu starken Fingerdruck in dem entstandenen Loch „zu versenken“, und somit die Ton im Endeffekt zu verstimmen. Doch scheinen die Vorteile dieser „Halsbehandlung“ für Malmsteen zu überwiegen, auf jeden Fall kann man nicht behaupten er spiele „out of tune“..

Bespannt sind seine Strats mit Custom-Strings in der Stärke 008-011-014-022-032-048 welche von Dean Markley nach Yngwie´s Vorstellungen gefertigt werden. Die gleiche Besaitung wird aber auch in den alternativen Stärken 009 und 010 angeboten.

Nach einer Reihe (selbst)modifizierter Stratocastermodelle bekam Yngwie schließlich 1988 als zweiter Künstler (nach Eric Clapton) von Fender sein eigenes Custom-Modell auf den Leib geschneidert. Die Fender Yngwie Malmsteen Signature-Stratocaster besitzt neben dem obligatorisch ausgefrästen Bünden Singlecoil-Tonabnehmer von DiMarzio. Neben dem Serienmodell HS-3 welchen Yngwie lange Jahre benutzte sorgt nun vermehrt sein eigenes, von Larry DiMarzio  entworfenes Custommodell „YJM“  für die Abnahme des Sounds. Der Sound dieser Pickups scheint wie geschaffen zu sein für die Stratocaster, ersetzen sie doch den glasharten, schneidenden Ton der Original Fender-Pickups durch einen cremigen, singenden Sound. Und brummfrei sind sie zudem auch noch.

Mittlerweile steht sogar das dritte Uprade der Yngwie Malmsteen Signature Stratocaster an, welches u.a. mit noch stärker ausgefrästen Bünden, einer besseren Halsbefestigung „ge-ageden“ Plastik-Parts und einem neu geshapten 60´s Style-Hals den Vorstellungen des Meisters an sein perfektes Instrument noch näher rücken soll. Mittlerweile wird die Malmsteen Signature-Strat in den USA gefertigt, während die damalige Erstauflage der späten Achtziger noch „Made in Japan“ war.

 

Natürlich spielt Yngwie in vielen seiner Songs und Livekonzerten auch akustische Gitarren. Sein Favorit scheint dabei eine Ovation Viper zu sein von der er je ein Modell in Schwarz und Weiß besitzt. Früher sah, bzw. hörte man ihn auch mit Instrumenten von Aria, Alvarez oder Gibson.

 

Amps/Effekte

Nicht unbedingt weniger wie Yngwie´s stattliche Gitarrensammlung umfasst das Live&Studio-Equipment. Yngwie vertraut seit langer Zeit schon auf Marshall-Amps, genauer genommen dem 1972´er Vintage Top mit 50 Watt von denen er live schon mal 24 Stück benutzt – die von bis zu 27 Marshall 4x12“-Boxen hörbar gemacht werden. Diese sind bestückt mit den 12“ Celestions G12T-75 und erlauben 75 Watt Leistung – also 300 Watt pro Box. Netter Föhn, vor so einer Wand sollte man mal gestanden haben!

Ebenso üppig gestaltet sich Yngwie´s Effektabteilung, welche mit einem BOSS CS 3 Kompressor, zwei Roland DC-10 Analog Echopedale, dem Dunlop CryBaby Wah-Pedal, Roland PK 5 Basspedalen, einem BOSS OC-2 Octaver und Noise-Supressor NS-2, einem Klangerzeuger Roland JV-1080 sowie einem DOD Overdrive PreAmp-Pedal ausgestattet ist. Geschaltet und Verwaltet wird das System von einem Custom Audio Electronics Switching System.

Seit neuestem nutzt der schwedische Saitenhexer das von ihm designte DOD YJM308 Signature Overdrive-Pedal das nach seinem Lieblingsspielzeug- einem feuerroten Ferrari 308- benannt wurde. Malmsteen schwört auf die Power dieses kleinen PreAmp-Kraftzwerges der es vermag seine Marshalls „..kräftig aufzupusten..“ wie er einst in einem Interview vermerkte. Und das dies nicht gelogen ist wird jeder bestätigen der den schwedischen Saitenartisten schonmal Live begutachten konnte!

Weiter zu David Gilmour

Weiter zu Steve Morse

Weiter zu Brian May/Queen

Weiter zu Eddie van Halen