Gitarristen die Geschichte mach(t)en : David Gilmour/Pink Floyd

Es gibt sicherlich viele Gitarristen, die den Blues sehr gut beherrschen und auf ihre Art und nicht zuletzt durch ihren Ausdruck auf dem Instrument beim Zuhörer wahre Gefühlsorgien auslösen. Doch nur wenige spielen diese Stilistik so leidenschaftlich und gefühlvoll wie der Gitarrist und Sänger der britischen Rockband Pink Floyd, David Gilmour. Sein Spiel mit den unverwechselbaren Bendings, der einzigartigen Phrasierung und dem musikalischen Einsatz von Effekten prägt bis heute Generationen von Saitenartisten auf der ganzen Welt und zeigt, wie man mit einer gesunden Mischung aus pentatonischen und natürlichen Skalen sowie geschmackvoll und stilistisch passend eingesetzten Effekten ein wahres Feuerwerk an Feeling zelebrieren kann. Im August 2006 erst wurde sein Solo in „comfortably numb“ (vom Album „The Wall“, 1979) zum „greatest guitar solo of all time“ gekürt. Zu Recht, wie ich finde.

Ein Blick zurück

Der am sechsten März 1946 geborene David Jon Gilmour stieß 1968 zu Pink Floyd als direkter Nachfolger für den erst kürzlich verstorbenen Syd Barett, der den Weg der Band damals aus „gesundheitlichen Gründen“ nicht weiter mitgehen konnte. Exzessiver Drogenkonsum und die daraus resultierenden Folgen zwangen die Band, sich von dem Mann zu trennen, der sich hauptsächlich für das Debutalbum „The Piper at the Gates of Dawn“ (1967) sowie „A Saucerful of Secrets“ (1968) verantwortlich zeigte.Gilmours Fähigkeiten als Songwriter, Gitarrist und Sänger waren von diesem Zeitpunkt an maßgeblich am Erfolg von Pink Floyd ausschlaggebend. Mit den Alben „The Dark Side of the Moon“ (1973) und „Wish you were here“ (1975) schaffte die Band zwei Meisterwerke, die ihrer Zeit weit voraus waren und auch heute noch keineswegs veraltet klingen.Dennoch gab es nach dem Album „The Wall“(1979) mit dem Superhit „Another Brick in the Wall“ einen Split in der Band, als diese sich entschied, den Bassisten (und ebenfalls singenden) Roger Waters zu entlassen. Waters war mehr ein Verfechter der „let´s make a show“–Theorie, David Gilmour und auch der Rest der Band hingegen sahen die Zukunft Pink Floyds eher bei „let´s make music“.

Seit dieser Zeit besteht die Band aus einem Trio, das bei Bedarf und für die „Monster-Tourneen“ vornehmlich auf den (hervorragenden) Bassisten Guy Pratt zurückgreift. Lediglich zu einem guten Zweck gab die Band in ihrer Urbesetzung (also mit Roger Waters am Bass) ein Konzert anlässlich des „Live Aid“-Festivals im Sommer 2005. Aber wie heißt es so schön: sag niemals nie...

Die Basis des Gilmour-Sounds: Die Fender Stratocaster

David Gilmour ist begeisterter Stratocaster-Spieler, und dies schon seit Beginn seiner Karriere. Und da verwundert es nicht, dass sich das Stratocaster-Modell mit der Seriennummer #0001 in seiner Obhut befindet. Es ist ein weißes Instrument mit goldenem Pickguard und goldener Hardware, welches aber nicht wirklich das erste je produzierte Stratocaster-Modell ist. Es handelt sich hierbei vielmehr um ein sehr frühes „Custom Color“-Modell, welches Gilmour auch heute noch sehr gerne benutzt.Neben diesem Instrument setzt der charmante Brite auch sehr gerne eine rot lackierte 57er Reissue-Strat ein die mit diversen Modifikationen wie einem verkürzten Vibratohebel und EMG-SA-Pickups ausgestattet ist. Auf seiner aktuellen 2006er Tour kommt auch eine schwarze Strat zum Einsatz, die Gilmour vornehmlich in den Siebzigern und frühen Achtzigern spielte. Dieses Instrument hatte ursprünglich einen Hals mit aufgeleimten Rosewood-Griffbrett, der aber dann später einem 57er Reissue maple-neck weichen musste. Eigens für den Titel „run like hell“ setzt Gilmour eine 52er Reissue-Telecaster ein, deren E-Saite einen Ganzton auf D tiefer gestimmt ist.

In der Akustikabteilung finden sich eine Gibson J-200 mit EMG-Pickups, eine Gibson Chet Atkins, eine Takamine sowie eine Martin D-35. Die Gänsehaut erzeugenden Steelguitar-Soli bei Titeln wie „Comfortably Numb“ (The Wall) werden von einer Jedsen Steelguitar erzeugt, die ebenfalls mit den aktiven Pickups von EMG ausgerüstet ist.

Die Würze des Gilmoure–Sounds: Die Effektabteilung

Was wäre der Sound von David Gilmour ohne Effekte? Nun, immer noch eine Menge (man beachte seine Solowerke), allerdings prägen effektgewürzte Gitarrensounds fast jeden Song von Pink Floyd. Manchmal ist es nur ein schlichter Chorus auf der Westerngitarre- andererseits kann es aber auch exzessiver Gebrauch von z.B. einer Talkbox sein.David Gilmours Effektpark besteht zunächst aus einer Ansammlung diverser Distortion-Pedale. Hierzu gehören u.a ein Chandler TubeDriver, ein eher unbekannter Typ mit dem Namen „BK Butler Tube Driver“, ein Proco „Rat II“-Pedal, ein Dallas Arbiter Fuzzface, Sovtek „Big Muff PI“ und man höre und staune sogar ein Boss HM2 Heavy Metal Distortion! Ein MXR DynaComp Kompressorpedal, ein Ibanez CP-9 Kompressor, ein Boss Digital Metalizer und drei Boss GE-7 GraphicEQ-Pedale die unterschiedliche Frequenzen pushen, runden die Auswahl an „Tretminen“ ab, mit denen Mr. Gilmour seinen Sound gefunden hat.

Doch das ist weiß Gott noch nicht alles. Bei der letzten großen World-Tour, die Pink Floyd unternahmen (Pulse, 1994) standen zwei prall gefüllte Racks des Effektdesigners Pete Cornish mit on stage. In ihnen befinden sich u.a. ein Electric Mistress Flanger, ein Boss CE2 Chorus Ensemble, eine Dynacord Leslie-Simulation, diverse Tremoloeffekte, ein TC 2290 Digital-Delay, ein Lexicon PCM70, ein MXR Digital Delay sowie ein eigenes Multieffektgerät des Rackdesigners Cornish. Steuern tut Gilmour all dies mit einem ebenfalls von Pete Cornish entwickeltem Floorboard.

Bei der Auswahl der Amps gibt sich Dave Gilmour patriotisch und wählt britische Marshalls und Hiwatts für die Verstärkung. Etwas exotisch wirkt da der Verstärker „Doppolas“, welchen man sich im Prinzip als eine spezialisierte Form des Leslies für Gitarre vorstellen kann und welchen sich Mr. Gilmour speziell von britischen Technikern hat anfertigen lassen.

Bleibt nur zu hoffen, dass Mr. Gilmour uns auch in Zukunft noch mit seinen zuckersüßen Soli und diesem Strat-Ton, der süchtig macht, beehren wird. Hoffnung gibt es – was die ausverkaufte Tournee seines aktuellen Albums „On an Island“ beweist.

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