Workshop : Playing Powerful Arpeggiolines, part I

Wie der Titel dieser Workshopreihe offensichtlich schon verrät, geht es um das Spielen von und mit Arpeggios, einer Stilisik, die nun seit gut 30 Jahren Einzug in den modernen Gitarrenstil gefunden hat. Dafür sorgten Leute wie Ritchie Blackmore von Deep Purple, der im Allgemeinen als Vorreiter dieser Technik/Stilistik gilt. Später wurde dies perfektioniert, als Musiker wie Yngwie Malmsteen, Steve Morse oder Uli Jon Roth (Solo & Ex Scorpions) auf der Bildfläche erschienen. Die Fachwelt staunte nicht schlecht über diesen neuen, frischen Gitarrenstil und fragte sich: Wie ist es möglich, so etwas auf einer Gitarre zu spielen?

Für viele ist der Umgang mit diesem Sound und der dazu erforderlichen Technik auch heute noch fremd, und oft genug wird das Spielen von und mit Arpeggios gleichgesetzt mit irgendwelchen Hochgeschwindigkeitsübungen für Metal-Heroes. Doch das wird dieser aussdrucksstarken Stilistik und den Möglichkeiten keineswegs gerecht. Zwar werden wir in dieser Workshopreihe auch die sogenannte Sweeping-Technik behandeln, aber mindestens genauso viel Aufmerksamkeit dem Kreieren und dem aussdrucksstarken Spielen von Arpeggios widmen.

Dass dieses ausdrucksstarke Spielen möglich ist, zeigt der Stil vieler grosser Namen des Business. Steve Morse, John Petrucci (Dream Theater) oder auch außergewöhnliche Musiker aus dem Jazz-Bereich wie Mike Stern oder Frank Gambale ( u.a. Chick Corea Electric Band). Sie setzen diese Spielart geschickt und geschmackvoll ein.

Um eines noch vorweg zu sagen: Aller Anfang ist auch hier schwer und es erfordert schon eine gehörige Portion Disziplin, um mit den neuen Fingersätzen und der Sweeping-Technik der rechten Hand zurecht zu kommen, aber es lohnt sich. Nur Mut, die ersten Erfolgserlebnisse kommen, und dann lernt und jammt es sich gleich viel besser!

ARPEGGIO: WAS IST DAS GENAU ?

Grundlagenforschung

Unter einem Arpeggio versteht man prinzipiell das Spielen eines gebrochenen Akkordes. Da Akkorde normalerweise ja legato gespielt werden (die Töne erklingen gleichzeitig), ist es bei Arpeggios genau das Gegenteil. Hierbei werden die Noten nacheinander und staccato, d.h. abgedämpft, gespielt. Im Klangbeispiel 1 hört man erst einen C-Dur-Akkord und danach das entsprechende Arpeggio.

Der Fingersatz der linken Hand entspricht einem der Gängigsten für Dur-Arpeggios, deren Grundton auf der A-Saite liegt. Es gilt ihn sich gut einzuprägen, denn durch einfaches Transponieren auf dem Griffbrett bieten sich nun eine große Anzahl von Dur-Arpeggios, die man musikalisch anwenden kann.

Steve Morse
Jason Becker

Abbildung 1. C-Dur Akkord

E -|-----------0--------------------------------------------

H -|---------- 1(1)------------------------------------------

G -|---------- 0--------------------------------------------

D -|---------- 2(2)------------------------------------------

A -|---------- 3(3)------------------------------------------

E -|X-------------------------------------------------------

Die klassische Griffweise eines C-Dur Akkordes..

Abbildung 2. C-Dur Arpeggio, 3. Lage.

E -|----------------------------------------------3(1)------8(4)-----

H -|---------------------------------------5(2)---------------------

G -|-----------------------------5(2)-------------------------------

D -|--------------------5(2)----------------------------------------

A -|---3(1)-----7(4)------------------------------------------------

E -|X--------------------------------------------------------------

 

KLANGBEISPIEL 1

Die kleineren Zahlen in Klammern stellen den benutzten Fingersatz dar. Finger 1 ist der Zeigefinger, 2 der Mittelfinger, 3 der Ringfinger und 4 der kleine Finger. Das Kreuz über der tiefen E-Saite bedeutet, diese bitte nicht zu spielen.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist die korrekte Positionierung der linken Hand. Der Daumen sollte möglichst weit hinten am Hals positioniert werden, um der Hand einen optimalen Öffnungswinkel zu ermöglichen, sonst wird es sehr schwer, speziell die zwei großen Terzen auf der A- und auf der hohen E-Saiten zu meistern!

Dies ist quasi die einfachste Form des Arpeggios : Ein Akkord wird in seinen Intervallen 1-3-5 (hier für einen Dur-Akkord c-e-g) über zwei Oktaven gedämpft gespielt.

Sicher könnte man jetzt behaupten, es sei kein Problem, einfach den Fingersatz des aus Abbildung eins stammenden Griffbildes gedämpft zu spielen. Nun, das ist sicher möglich. Allerdings wird dies kein sauberes Klangbild ermöglichen, da zu viele Faktoren für das saubere Spielen von Arpeggiolines eine Rolle spielen. Es ist sehr schwierig bis unmöglich, jedem einzelnen Ton nur unter Zuhilfenahme der rechten Hand die notwendige Dämpfung zu geben. Die linke Hand muss ebenso eingebunden werden, und das ist mit einem statischen Akkordfingersatz nicht zu erreichen. Im Speziellen bei unserem einfachen C-Dur Arpeggio, bei dessen Akkordgriff ja auch noch einige Leersaiten erklingen- die das dämpfen und damit das Staccato-Spiel noch zusätzlich erschweren.

Der Trick liegt wie so oft im Detail. Ähnlich wie beim Tonleiternpicken dämpfe ich mit den Fingerkuppen der linken Hand die Saite beim Verlassen ab. So geb ich dem Ton mit der linken Hand noch zusätzlich eine kleine Portion Attack und verhindere unerwünschte pull offs die unweigerlich auftreten, wenn man eine Saite eben ohne Dämpfung verlässt. Ganz besonders heftig wirds dann noch mit Distortionsound wenn, die einzelnen Töne unterschiedlich lang erklingen und sich so gegenseitig zuschmieren!

Die rechte Hand

Grundsätzlich ist die Positionierung der rechten Hand am Steg/Vibratosystem aehnlich wie beim picken. Die Hand sollte einen Ruhepunkt finden und aus dem Gelenk heraus mit dem Plektrum in einem einzigen Abschlag die Saiten anschlagen. Dabei sollte zusätzlich der Handballen ein wenig auf den Enden der Saiten liegen um dem Ton die notwendige Dämpfung und Attack zu geben.

Vinnie Moore

Lagenwechsel

Im nächsten Beispiel transponieren wir nun das C-Dur Arpeggio in eine neue Position:

Abbildung 3. C-Dur Arpeggio, 15. Lage.

E -|--------------------------------------12(1)--------15(4)-------

H -|------------------------------13(2)----------------------------

G -|----------------------12(1)------------------------------------

D -|--------------14(3)--------------------------------------------

A -|------15(4)----------------------------------------------------

E -|X--------------------------------------------------------------

KLANGBEISPIEL 2

Auch hier ist der Aufbau sehr logisch. Es beginnt mit dem Grundton im 15. Bund, über die (große) Terz E im 14. Bund der A-Saite hin zur Quinte G im 12ten Bund der G-Saite. Der zweite Teil ist lediglich die Oktavierung des Ganzen. Der Fingersatz ist etwas easier als im ersten Beispiel und sollte auch den kleineren Virtuosen unter uns nicht allzu schwer fallen.

Paul Gilbert
Yngwie Malmsteen

INS DETAIL

Nun geht es ran an den Speck! Dur-Arpeggios klingen sicher sehr schön und rein, allerdings können sie auf Dauer auch etwas langatmig wirken. Wir werden um dem vorzubeugen nun das oben abgebildete Arpeggio auf eine Oktave reduzieren und ein wenig alterieren. Die Rhythmik des folgenden Beispiels besteht aus 8tel-Triolen.

E -|---15(4)----12(1)-----------------------12(1)------14(3)----12(1)--------

H -|------------------13(2)---------13(2)-------------------------------13(2)-----

G -|-------------------------12(1)---------------------------------------------------

D -|-----------------------------------------------------------------------------------

A -|-----------------------------------------------------------------------------------

E -|X---------------------------------------------------------------------------------

E -|----------------------12(1)-----etc.------------------------------------------

H -|-------------13(2)------------------------------------------------------------

G -|-----12(1)--------------------------------------------------------------------

D -I--------------------------------------------------------------------------------

A -|--------------------------------------------------------------------------------

E -|X------------------------------------------------------------------------------

KLANGBEISPIEL 3

Durch das Hinzufügen des F# auf dem 14. Bund der hohen E-Saite (#11) erhält dieses Arpeggio einen lydischen Klangcharakter.

So, ich denke, das sollte fürs erste genug sein an Fingern, Zahlen und Techniken. Im nächsten Teil widmen wir uns dann schon mit den Vierklangversionen der Akkorde/Arpeggios und schauen, wie man die verschiedenen Lagen sinnvoll und musikalisch verknüpfen kann!

Und nun: Viel Spass beim Üben!

Zum Workshop Refined Riffs hier klicken !